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Rede von Bundeskanzler Scholz bei der Bundeswehrtagung am 16. September 2022

Quelle: bundesregierung.de

Sehr geehrte Frau Ministerin, liebe Christine,
meine Damen und Herren Staatssekretäre,

verehrte Repräsentanten der Militärseelsorge,
sehr geehrter Herr Generalinspekteur der Bundeswehr,
sehr geehrte Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Bundeswehrtagung,

„Klartext“ wollen Sie heute von mir hören.

Ich könnte es mir jetzt leicht machen und einfach einen Satz aus meiner Rede bei der Münchener Sicherheitskonferenz zitieren, die ich vor dem russischen Angriff auf die Ukraine Mitte Februar gehalten habe. Damals habe ich gesagt: „Flugzeuge, die fliegen, Schiffe, die in See stechen können, Soldatinnen und Soldaten, die optimal ausgerüstet sind für ihre gefährlichen Aufgaben ‑ das muss ein Land unserer Größe, das besondere Verantwortung trägt in Europa, leisten können. Das schulden wir auch unseren Verbündeten in der NATO.“ - Soweit mein damaliger Satz.

Dieser Anspruch gilt ‑ heute erst recht. Es geht um bessere Ausrüstung und Fähigkeiten, um Planbarkeit und Verlässlichkeit, wenn wir miteinander über die Bundeswehr in der Zeitenwende sprechen. Und daher eines gleich vorweg: Eine gut ausgerüstete Bundeswehr, die ihren Auftrag zum Schutz unseres Landes erfüllen kann, ist für mich eine Selbstverständlichkeit. Dafür stehe ich als Bundeskanzler, und darauf können Sie sich verlassen.

Doch mit einer besseren Ausstattung der Bundeswehr allein ist es nicht getan. Eines der hartnäckigsten Missverständnisse meiner Rede zur Zeitenwende ist, dass es dabei allein um mehr Geld ging, um das Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr.

Natürlich ist die Einigung auf dieses Sondervermögen - abgesichert durch eine Grundgesetzänderung ‑ ein echter Paradigmenwechsel, weil wir damit das Fundament legen für eine neue Bundeswehr, mit Fähigkeiten auf der Höhe der Zeit. Aber die Chefin des „European Council on Foreign Relations“ hat es vor einigen Tagen auf den Punkt gebracht: „Status quo plus Sondervermögen reicht nicht“. Deshalb ist es wichtig, dass wir heute auch darüber reden, was jenseits dieser Mittel noch hinzukommen muss ‑ seitens der Politik, seitens der Bundeswehr und ‑ das ist mir wichtig ‑ auch seitens unserer Gesellschaft, um unser Land und unser Bündnis sicherer zu machen.

Zu einer strategischen Bestandsaufnahme gehört eine ungeschönte Analyse der Ausgangslage. Ich habe Russlands Krieg als Zeitenwende beschrieben, weil er weit über das hinausgeht, was wir an Kriegen und Konflikten seit Ende des Kalten Kriegs in und um Europa erlebt haben. Hier macht eine hochgerüstete Nuklearmacht den Versuch, Grenzen in Europa mit Gewalt neu zu ziehen. Käme Russland damit durch, unser Frieden in Europa wäre auf lange Zeit dahin. Daran kann nur jemand zweifeln, der nicht hört und liest, was Präsident Putin sagt und schreibt. Er will Russland in Europa als imperiale Macht etablieren ‑ und zwar mit den Landkarten des Zarenreichs oder der Sowjetunion im Kopf.

Für uns heißt das: Wir müssen uns darauf einstellen, dass Putins Russland sich auf absehbare Zeit in Gegnerschaft zu uns, zur NATO und zur Europäischen Union definiert, die Putin übrigens nie als maßgeblichen politischen Akteur akzeptiert und immer bekämpft hat. Das ist eine ernüchternde Analyse, denkt man an den vor einigen Tagen verstorbenen Michail Gorbatschow und an all die Hoffnungen, die viele von uns mit dem Ende des Kalten Krieges verbanden.

Ein früherer deutscher Verteidigungsminister wähnte uns nur noch „von Freunden umzingelt“. Zur Wahrheit gehört: Politik, Wirtschaft und große Teile der Gesellschaft haben ihm diese These nur allzu gern geglaubt und weitreichende Konsequenzen daraus gezogen - falsche Konsequenzen, wie wir heute wissen, besonders wenn wir auf den Zustand der Bundeswehr schauen.

Die Klarheit über Russlands Motive ‑ zumindest solange Putin Präsident ist ‑ hat aber noch eine andere Konsequenz: Es gibt keinen Zweifel mehr daran, worauf wir uns einstellen müssen. Von Putins Russland geht ‑ darauf stellen wir uns im Rahmen der NATO ein ‑ derzeit die größte Bedrohung für unser Bündnis aus. Deshalb müssen wir auch sehr genau darauf schauen, über welche Fähigkeiten und Potenziale Russland verfügt. Gefragt ist ein nüchterner Blick auf die Realitäten und Risiken.

Lange Zeit hat unser Land ‑ und das schließt die Politik ausdrücklich ein ‑ eine echte Priorisierung der Aufgaben der Bundeswehr vermieden. Brunnen bohren, humanitäre Hilfe absichern, Fluten eindämmen, in Pandemiezeiten beim Impfen helfen ‑ all das kann eine gute Armee wie die Bundeswehr. Unser Land weiß das auch sehr zu schätzen, gerade in jüngster Zeit. Darin besteht aber nicht ihr Kernauftrag.

Der Kernauftrag der Bundeswehr ist die Verteidigung der Freiheit in Europa ‑ oder etwas weniger lyrisch ausgedrückt: die Landes- und Bündnisverteidigung. Alles andere leitet sich aus diesem Auftrag ab. Alle anderen Aufgaben haben sich diesem Auftrag unterzuordnen. Das ist mein Anspruch als Bundeskanzler, und daran werde ich mich auch messen lassen.

Und weil ich Klartext versprochen habe, füge ich hinzu: Zugleich wünsche ich mir, dass diese Vorgabe auch Ihr Denken und Handeln als militärische Vorgesetzte bestimmt.

Bitte denken Sie nicht, dass das mit dem Sondervermögen jetzt nur eine Ausnahme ist und danach alles wieder so wird, wie zuvor. In den vergangenen knapp sieben Monaten seit Russlands Angriff auf die Ukraine ist bereits mehr geschehen als in den Jahren zuvor. Das Sondervermögen ist Realität. Auch meine Aussage, dass wir den Verteidigungshaushalt kontinuierlich auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigern werden, gilt! Damit können Sie planen.

Wir haben mit der bisherigen Staatspraxis bei Waffenlieferungen gebrochen und bewiesen: Wir scheuen keine Veränderungen. Dass die Bundeswehr dafür auch auf ihre knappen Bestände zurückgegriffen hat, wo immer das vertretbar war, dafür bin ich auch sehr dankbar.

Ich war vor einigen Wochen auf dem Truppenübungsplatz in Putlos. Dort habe ich mir angeschaut, wie die ukrainischen Streitkräfte am Flugabwehrpanzer Gepard ausgebildet werden. Es ist beeindruckend, wie tapfer die Ukrainerinnen und Ukrainer ihr Land, ihre Freiheit und eben auch unsere europäischen Werte verteidigen. Und wir können stolz sein auf den Beitrag, den wir dazu leisten.

Wir haben unsere Rechtsgrundlagen verändert, um Beschaffungen dramatisch zu beschleunigen und Verfahren zu vereinfachen - dafür bin ich der Ministerin sehr dankbar -, denn nur so werden wir die 100 Milliarden Euro schnell und gezielt investieren. Und das erwarten die Bürgerinnen und Bürger ‑ gerade auch angesichts der angespannten Wirtschafts- und Finanzlage ‑ zu Recht von uns.

Die Fähigkeitslücken der Bundeswehr sind groß. Aber wir sind dabei, die drängendsten davon sehr schnell zu schließen. Prioritär geht es um Kampfflugzeuge, um schwere Transporthubschrauber, Eurofighter, die Nachfolge für den Schützenpanzer Marder, Korvetten 130 und Fregatten 126. Aber auch den Bestand werden wir schnell und effektiv stärken, um endlich Schluss zu machen mit einer Mangelwirtschaft, die lange als „dynamisches Fähigkeiten-Management“ schöngeredet wurde - jedenfalls wurde mir das berichtet. Munition, Ersatzteile, Instandsetzung ‑ die milliardenschwere Dimension der Herausforderung ist überaus sichtbar. Aber wir sind auf dem richtigen Weg.

Schnell umgesteuert haben wir auch in unserem Bündnis. Die NATO hat in den zurückliegenden Monaten bewiesen, dass sie quicklebendig ist. Die enge Abstimmung mit Präsident Biden und seiner Administration war dabei essentiell, und ich bin dafür außerordentlich dankbar. Und ich sage auch dies ganz deutlich: Die NATO bleibt der Garant unserer Sicherheit.

In meiner Rede vom 27. Februar im Bundestag habe ich gesagt: Wir werden jeden Quadratmeter des Bündnisgebiets verteidigen. Ich meine das sehr ernst ‑ und das wird auch ernst genommen. Wir haben den SACEUR autorisiert, massiv Truppen anzufordern und zu verlegen. Erstmals überhaupt musste die NATO ihre Verteidigungspläne an der Ostflanke aktivieren.

Die Kaltstartfähigkeit wird erhöht. Dazu erhöhen wir die Verlegebereitschaft der NATO Response Force erheblich verkürzt, und wir verkürzen die Zeit beim Einsatz der VJTF, der Einsatzgruppe mit sehr hoher Einsatzbereitschaft, womit wir beweisen, dass der Name Programm ist: schnell, anpassungsfähig, einsatzbereit.

Und wir gehen gemeinsam im Bündnis konsequent weiter: Das neue NATO Force Modell stellt uns in der Allianz ab 2025 künftig noch umfangreicher, flexibler und reaktionsfähiger auf. Gerade auch durch den substanziellen deutschen Beitrag von 30. 000 Soldatinnen und Soldaten, 85 Flugzeugen und Schiffen werden die NATO-Reaktionsfähigkeit und Abschreckungswirkung drastisch erhöht.

Deutschland hat bei all dem von Beginn an eine wichtige Rolle übernommen ‑ das war mir sehr wichtig. Im Ergebnis stehen Hunderte von deutschen Soldatinnen und Soldaten im Baltikum, in Rumänien, in der Slowakei. Unsere Marine und Luftwaffe patrouillieren verstärkt in der Ostsee und im östlichen Mittelmeer. Das ist mehr als eine Rückversicherung gegenüber unseren östlichen Alliierten. Es geht um unsere Sicherheit, die von der Sicherheit unserer Bündnispartner nicht zu trennen ist. Und zugleich machen wir glaubhaft klar: Deutschland ist bereit, an führender Stelle Verantwortung zu übernehmen für die Sicherheit unseres Kontinents.

Als bevölkerungsreichste Nation mit der größten Wirtschaftskraft und Land in der Mitte des Kontinents muss unsere Armee zum Grundpfeiler der konventionellen Verteidigung in Europa werden, zur am besten ausgestatteten Streitkraft in Europa. Das ist das Ziel ‑ und dass unsere europäischen Freunde und Partner dieses Ziel nicht als Bedrohung empfinden, sondern im Gegenteil als Zusicherung und Versprechen, sollte uns Ansporn sein.

Die ersten Schritte habe ich gerade skizziert. Weitere stehen an. Im kommenden Jahr wird Deutschland die Führung der VJTF übernehmen. Die Zeiten dafür könnten kaum herausfordernder sein. Ich weiß, welch eine Herkulesaufgabe das für die Bundeswehr und ihre Soldatinnen und Soldaten sein wird ‑ gerade weil wir mit solchen Defiziten bei der Ausrüstung zu kämpfen haben, gerade weil wir derzeit vieles gleichzeitig wieder in Gang bringen.

Aber ich weiß auch: Die Frauen und Männer der Bundeswehr, Sie alle, kriegen das hin, mit der Rückendeckung der politisch Verantwortlichen. Das haben Sie übrigens in den sieben Monaten seit Kriegsbeginn bewiesen, in denen Sie und Ihre Kameradinnen und Kameraden überall ‑ ob an der Ostflanke, bei der Ausbildung ukrainischer Soldaten, bei der Erhöhung der Einsatzbereitschaft, bei der Abgabe und der Neubeschaffung von Material, bei der Erarbeitung neuer Regeln und Konzepte - allerhöchste Verantwortung und größte Einsatzbereitschaft gezeigt haben. Und ich möchte Sie bitten: Geben Sie meine Anerkennung und meinen Dank dafür auch an die Truppe weiter!

Meine Damen und Herren, Zeitenwende ‑ das heißt Abschied zu nehmen von alten Gewissheiten. Das heißt umzudenken, auch strategisch. Innerhalb der NATO haben wir das beim Gipfel in Madrid und mit dem neuen Strategischen Konzept getan. Unsere Kampfkraft und Einsatzbereitschaft werden deutlich erhöht. Die östliche Flanke wird gestärkt. Deutschlands Bereitschaft, an entscheidender Stelle dazu beizutragen, habe ich eben skizziert.

Auch die Europäische Union hat sich mit ihrem Strategischen Kompass klarer und geschlossener aufgestellt. Daraus ergibt sich für mich eine Arbeitsteilung, mit der wir Europas Sicherheit auf Dauer stärken. Die NATO bleibt zuständig für die kollektive Verteidigung des gesamten Bündnisgebietes mit Schwerpunkt Europa. Glaubhafte Abschreckung bleibt dabei das Kernelement. Wir Europäer aber müssen innerhalb der NATO deutlich mehr Verantwortung übernehmen. Dass mit Finnland und Schweden bald zwei europäische Staaten der NATO beitreten, die über moderne und fähige Armeen verfügen, ist also hochwillkommen.

Aber Europas künftige Rolle geht darüber hinaus. Einige meiner Ideen für eine europäische Verteidigungskooperation habe ich vor ein paar Wochen an der Karlsuniversität in Prag skizziert. Ein europäisches Hauptquartier gehört dazu, das Einsätze führen kann ‑ sei es eine Evakuierung unserer Staatsangehörigen, wie letztes Jahr in Afghanistan, sei es eine europäische Beratungs- oder Ausbildungsmission wie im Irak, in Mali oder in Niger. Dazu gehört auch die Nutzung der schon bestehenden Möglichkeiten in den EU-Verträgen, Einsätze einer Gruppe von Mitgliedsstaaten anzuvertrauen, einer „Koalition der Entschlossenen“.

Das vielleicht drängendste Problem in Europa aber ist die völlig unübersichtliche Zahl an Waffensystemen und Rüstungsgütern und die Konkurrenz unterschiedlicher Rüstungsunternehmen. Nur der koordinierte Aufwuchs europäischer Fähigkeiten führt zu einem handlungsfähigen Europa. Mir ist hier insbesondere der Bereich der Luftverteidigung wichtig ‑ europäisch koordiniert und als Beitrag zur Stärkung des europäischen Pfeilers der NATO.

Die Herausforderungen sind groß und ich bin mir der Zielkonflikte bewusst. Dennoch zeigen uns bestehende Kooperationen, dass gemeinsame europäische Rüstung möglich ist. Es gibt dazu bei neuen komplexen Systemen oft auch kaum andere Möglichkeiten. Als ich in Prag die Organisation zum Management von gemeinsamen Rüstungsvorhaben erwähnt habe, hat sich mancher wohl gedacht: Wovon redet der jetzt eigentlich?

Dabei bin ich überzeugt: Diese Organisation hat das Zeug dazu, zum Nukleus einer europäischen Zusammenarbeit in Rüstungsfragen zu werden, wenn ‑ und das ist die Voraussetzung ‑ wir, die Mitgliedsstaaten, es schaffen, unsere nationalen Vorbehalte und Regularien zu überprüfen, was die Nutzung und den Export gemeinsam hergestellter Systeme angeht. Manchen mag das vielleicht überraschen ‑ aber die Bundesregierung ist dazu bereit.

Nicht nur in der NATO und der EU haben wir uns strategisch neu aufgestellt. Auch national arbeiten wir daran. Auf der Kabinettsklausur Ende August in Meseberg haben wir intensiv darüber diskutiert. Und klar ist: Unsere Nationale Sicherheitsstrategie wird die Lektionen der Zeitenwende berücksichtigen ‑ Landes- und Bündnisverteidigung first, sozusagen.

Klar ist aber auch: Die Bedrohungen des 21. Jahrhunderts gehen über offene kriegerische Auseinandersetzungen, wie sie gerade in der Ukraine stattfinden, weit hinaus. Wir erleben doch zum Beispiel gerade, wie sehr unsere Anhängigkeit von russischer Energie auch zu einem Sicherheitsproblem geworden ist. Es hat die Bundesregierung viele Anstrengungen und unglaublich weitreichende Entscheidungen gekostet, dass wir jetzt, vor dem Winter sagen können: Wir kommen wohl durch. Wären wir hier ohne Maßnahmen herangegangen, würden wir jetzt ganz andere Probleme diskutieren.

Ich könnte weitere Beispiele nennen: Asymmetrische Bedrohungen wie Cyber-Angriffe zählen dazu, die einseitige Abhängigkeit von wichtigen Rohstoffen oder von nur einem Handelspartner, mangelnde eigene Fähigkeiten, wenn es um strategisch wichtige Hochtechnologien oder um Fähigkeiten im Weltraum geht. In diesen Bereichen lassen sich innere und äußere Sicherheit nicht mehr deutlich trennen, sondern müssen zusammen gedacht werden ‑ auch im europäischen Kontext. Und zugleich entsteht Sicherheit auch, indem wir von Krisen und Konflikten bedrohte Länder stabilisieren ‑ mit zivilen Mitteln und wenn nötig auch mit einem militärischen Beitrag. In allen diesen Bereichen kann und muss die Bundeswehr eine Rolle spielen.

Zugleich geht dieses Verständnis von Sicherheit weit über das Aufgabenspektrum der Bundeswehr oder sogar die Aufgaben der klassischen Sicherheitsressorts hinaus. Wir müssen Sicherheit im 21. Jahrhundert viel umfassender denken. Deshalb wird die neue Nationale Sicherheitsstrategie einen integrierten Ansatz für unsere Sicherheitspolitik vorgeben und alle Akteure in die Pflicht nehmen ‑ staatliche und private ‑, die dazu beitragen können.

Meine Damen und Herren, ein letzter Punkt ist mir wichtig. Kürzlich hat die Süddeutsche Zeitung geschrieben: „Diese Nation ist nicht wehrhaft, schon alleine deswegen nicht, weil sie sich nicht wehrhaft fühlt.“ Wir sind gerade dabei, das Fundament zu legen für eine neue Bundeswehr, und wir alle wissen: Fakten entfalten normative Kraft. Aber wir wissen auch, dass noch etwas Entscheidendes hinzukommen muss: Ein verändertes Denken ‑ und zwar auf allen Ebenen in der Bundeswehr, gepaart mit Zutrauen und Risikobereitschaft. Ohne Sie ist das beste Material nichts!

Deshalb möchte ich Sie als militärische und zivile Vorgesetzte bitten: Tragen Sie den Geist des Aufbruchs und der Veränderung auch in die Truppe! Leben Sie ihn vor! In der Zeitenwende zählen pragmatisches Denken und innovative Lösungen. Das setzt die Bereitschaft voraus, Liebgewonnenes aufzugeben, selbstbewusst neue Wege zu gehen und eine Fehlertoleranz vorzuleben, die Entscheidungsfreude belohnt. Nichts ist unverrückbar: Diskutieren Sie ergebnisoffen und mutig ‑ und handeln Sie, wenn Sie Verbesserungsbedarf sehen! Sie haben meine ‑ und ich weiß: auch Christine Lambrechts ‑ politische Rückendeckung für mutige Entscheidungen.

Und was für eine demokratische Armee wie die Bundeswehr vielleicht noch wichtiger ist: Sie haben auch den Rückhalt der Bürgerinnen und Bürger unseres Landes. Wo immer ich in diesen Tagen unterwegs bin im Land: Kaum jemand kritisiert das Sondervermögen oder die neue Rolle der Bundeswehr bei der Bündnisverteidigung. Was ich wahrnehme, ist ein großes Maß an Rückhalt und Vertrauen in die Männer und Frauen der Bundeswehr und allenfalls die Frage „Warum passiert all das erst jetzt?“.

Die Bundeswehr ist wieder dorthin gerückt, wo sie hingehört: in die Mitte unseres Landes. Das ist ein Glück für unser Land und für unsere Sicherheit.

Ich hoffe, das war Klartext genug, zumindest für den Anfang. Und falls nicht, freue ich mich auf Ihre Fragen, Ihre Anregungen und auf unsere Diskussion.

Schönen Dank!